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Mit Green Class zum Film

Am Montagmorgen eine Mail, Central Casting sucht Menschen für einen Nachtdreh im Zürcher Kongresshaus, der bereits Donnerstagnacht stattfindet. Wäre doch mal was Spannendes! Aktuelles Foto geschickt und andern Tages bereits die Zusage mit allen Details bekommen. Eintreffen um 20.30 Uhr und Drehen bis circa 5 Uhr Morgens, Gage 80.00 CHF.

Da das Drehende unsicher ist ,nehme ich doch lieber den BMW i3 für die Fahrt nach Zürich. Ich habe Zeit und wähle eine Route ohne Autobahn. Enorm, wie man Energie spart bei Geschwindigkeiten unter 80 km/h. Zeit brauche ich von Schwyz nach Zürich ungefähr 12 Minuten mehr.

Als ich vor dem Kongresshaus eintreffe wird eine Szene vor dem Eingang gedreht, das erste Mal warten. Dann Treppe hoch in den oberen Stock, ein grosser Raum mit Tischen und vier Schminkplätzen ist bereits mit vielen gut gekleideten Menschen gefüllt. Ich ziehe meinen Rollkoffer in die eine Ecke, hier sieht es nach Kostüme Check und Umziehen aus. ich zeige der Stylistin mein Mitgebrachtes und sie wählt aus: Schwarzer Anzug, weisses Hemd und die runde Hornbrille, die bereits mein Vater als Kind getragen hat. Umziehen und danach warten auf die Visagistin. Vermutlich aus Zeitgründen werden fast alle Männer in einen anderen Bereich mit langen Tischen geschickt, ungeschminkt.

Warten bis circa um 22 Uhr. Joel, die dritte Regieassistenz erklärt uns, dass jetzt die rund 100 Statisten in drei Gruppen aufgeteilt werden und man sich eine Partnerin, Partner aussuchen solle. Unter kritischen Augen der Regieassistenz werden die Gruppen zusammengestellt. Danach wieder sich setzen und warten. Um 22.30 Uhr: Gruppe eins bitte leise mitkommen. Doch bereits an der Treppe ist wieder Schluss, Fehlalarm, zurück in den Saal und warten. Einige der Anwesenden kennen sich von früheren Drehs. Für viele ist das Mitwirken als Statist ein Hobby. Um 23 Uhr werden aus der Gruppe eins 3 Pärchen ausgesucht und diese verlassen unter zum Teil neidischen Blicken den Saal. Die beiden Kaffeemaschinen surren fast ununterbrochen. Einige lesen in Büchern, andere spielen mit ihrem Handy. Kurz vor zwölf Uhr wird das „Mittagessen“ aufgetragen. Fast gleichzeitig heisst es „ganze Gruppe eins nach oben“. Ja und wir schaffen es diesmal bis aufs Set. Wir setzen uns an runde Tische. Rundherum viel Technik und noch mehr Mitarbeitende. Vorne steht ein Rednerpult mit dem Kongresshaus Logo, sicher ein Sponsor. Daneben sitzt Christian Kohlund. Erste Probe, Schluss seiner Ansprache an die Anwesenden. Wie gewünscht beklatschen wir das Ende, händeschüttelnd, Handküsse verteilend und zum Teil mit Umarmungen arbeitet er sich durch die Statisten, vorausgehend die Kamera und der Tontechniker. Nach einigen Durchläufen ist die Regie wohl zufrieden mit der Probe. „Mittagessen“ ist angesagt, zurück in den Saal und „Ghackets und Hörndli“ fassen.

Um 00.45 Uhr geht’s wieder aufs Set. Die Galerie ist eingenebelt und scharfkantiges Licht verleiht dem unschönen Raum ein spezielles Aussehen. Nochmals proben. Vor dem Dreh, eine junge Frau mit Fuselroller geht gewissenhaft von Mann zu Mann und reinigt seine Schultern, auch meine. Danach stoppt eine vor mir und richtet meine Krawatte, ihr waches Auge hat wohl bemerkt, dass ich nicht alle Tage mir einen solche um den Hals binde. „Ruhe am Set! Ton ab! Kamera ab!“ Klappe. Christian Kohlund hält das Ende seiner Ansprache, beim vorher abgemachten Stichwort erheben sich alle und klatschen. Die Kamera mit Anhang bahnt sich einen Weg durch die Menge. Dahinter kommt Kohlund, vor mir macht er Halt und mit einem breiten Grinsen umarmt er mich und flüstert mir „Am Dienstag bei mir“ ins Ohr. Wiederholen und zurück in den Wartesaal.

Gruppe zwei und Teile von Gruppe drei werden aufs Set gerufen. Ich kämpfe wie viele andere im Saal mit der Müdigkeit. Um drei Uhr wird warmer Apfelkuchen, oder wie der Zürcher sagt „Öpfelwähe“ neben die Kaffeemaschinen gestellt. Wer den wohl gebacken hat? Um 4 Uhr 10 werden wir nochmals aufs Set gerufen, denselben Platz einnehmen. Diesmal mimt die Kamera den Christian Kohlund, also ausnahmsweise in die Kamera schauen und lächeln. Man spürt, dass alle Anwesenden müde sind, ich vermute die Technik-Crew arbeitet schon mehr als zwölf Stunden. Kohlund sieht trotz viel Schminke müde aus und bedankt sich bei uns Statisten für die gute Disziplin und Ausdauer.

Noch eine letzte Einstellung stehend auf der Galerie, Kohlunds Abgang. 4 Uhr 40 Ende des Drehs, alle atmen erleichtert auf. Zurück in den Wartesaal, umziehen. Und warten bis jedem die abgemachten 80 Franken in die Hand gedrückt werden.

Die frische Luft draussen tut gut. Es ist noch dunkel, leichter Nebel schleicht durch Zürich, es duftet nach Frühling am Mythenquai im Arboretum und die Vögel zwitschern um die Wette. Es war eine spannende Nacht mit viel Warten. Ich bin gespannt was und ob überhaupt etwas übrigbleibt in der Endfassung des Filmes.

Privat-Banking (Arbeitstitel)

Regie bei diesem fiktionalen Grossprojekt führt Bettina Oberli. In den wichtigsten Rollen sind Stephanie Japp, Anna Schinz und Marc Benjamin zu sehen.

Der Film erzählt die Geschichte der Aussenseiterin Caroline, die versucht, das Lebenswerk ihres Vaters zu retten. Die renommierte Privatbank Weyer kommt mit dem Wandel im Finanzsystem nicht klar und steht am Abgrund. Gegen den Willen ihres Bruders packt Caroline an – und enthüllt nicht nur die Geheimnisse der Bank, sondern auch diejenigen ihrer Familie.

Die Dreharbeiten finden in Zürich und Umgebung statt. Neben einschlägigen Schauplätzen wie dem Paradeplatz und der Uferpromenade am Zürichsee spielt die Geschichte auch auf einem Bauernhof.

Das zentrale Figurendreieck im Ensemble von «Private Banking» wird gespielt von Stephanie Japp «Grounding», Marc Benjamin «The Team» und Anna Schinz «Gotthard». Weitere Rollen sind unter anderem mit Dietrich Siegl, Fabian Krüger, Bettina Stucky und Christian Kohlund besetzt.

Die Drehbücher zu «Private Banking» haben die Autoren Thomas Ritter und David Sandreuter und Regisseurin Bettina Oberli im Team entwickelt.