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Mit Green Class an die Sonne

Regen im Norden, Umsteigen und 22 Minuten Abfahrts-Verspätung in Arth-Goldau wegen Wasserschaden zwischen Zug und Walchwil, Fahrt über die Bergstrecke wegen Störung im Basistunnel, dann mit einer Stunde Verspätung, Sonne.

Luzern ab 7 Uhr 18 pünktlich, nein ich kann nicht sitzen bleiben bis Lugano. Im regnerisch trüben Art-Goldau muss ich den Zug wechseln - ein Problem? Für mich nicht.

Doch die Anzeige in Arth-Goldau verspricht nichts Gutes, ca. 15 Minuten Verspätung, Grund dafür sind ausserplanliche Bauarbeiten, sprich Wasserrohrbruch in Walchwil, eine geborstene Leitung eines Privathauses unterspült das SBB-Trasse. Kurze Zeit später eine weitere Durchsage – Wegen technischen Problemen fährt der Zug über die Bergstrecke. Ja super, dann wird mal nichts aus meiner Jungfernfahrt.

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Doch über die Bergstrecke wird ja bekanntlich einiges geboten. Die Kirche von Wassen zeigt sich mir drei Mal, wie in allen Touristenmagazinen beschrieben, doch zu dieser Zeit sollten wir bereits in Bellinzona sein – ein Problem? Für mich nicht. Klar, hätte ich um 9 Uhr dreissig eine Sitzung in Lugano, würde ich auch langsam nervös.

Kurz vor Göschenen drei Windräder, die fleissig Strom produzieren, zeigen sich links oben auf den leicht verschneiten Bergen. Wäre doch schön, würde mehr Strom aus Wind und Sonne produziert. Mit grosser Weitsicht und weniger persönlichem Egoismus.

Uns Reisenden wird ein ausserfahrplanlicher Halt in Göschenen geboten.

Auf den Monitoren im Wagen wird der Film über den Basistunnel gezeigt, hübsch sieht es aus. Wir tauchen in den über hundertjährigen Tunnel ein. Auf der anderen Seite: Sonne mit wenigen Wolken.

Kurz nach der Durchfahrt bei Faido verschwindet die Anzeige Bellinzona und es wird Lugano angezeigt. Zeiteinsparung oder computerische Unflexibilität? Das Zweite, denn um 9 Uhr achtundfünfzig hält der Zug in Bellinzona.

Eselherden und weidende Schweine in Kastanienwäldern kurz vor Bodio, Palmen vor Biasca, Reben-Anbaugebiete die immer flacher werden sind die Vorboten einer anderen Schweiz. Gleichzeitig läuft Werbung auf den Bildschirmen vom Tourismus der Stadt Zürich.

Der Zugbegleiter geht vom einen Reisenden zum nächsten und fragt nach dem Ziel und hilft und informiert wo immer möglich. Ankunft in Lugano um 10 Uhr siebenundzwanzig, gut eine Stunde später als für die meisten Reisenden erwünscht.

Lugano, die Stadt im Süden der Schweiz:

Da wo Politessen, oder Verkehrssündeverzeigerinnen, rote Hüte tragen und Zürcher Transporter in der Fussgängerzone büssen, es aber auch ein Hotel mit Namen Zürich gibt.

Auf dem Rathausplatz im Zentrum des Tourismus die Küche erst ab 12 Uhr geöffnet hat und die Espressi immer kleiner, günstiger und besser werden.

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Da wo Autos in Silos parkiert werden.

Die Stadt, in der die Bank UBS nur wenige hundert Meter von der Via Canova entfernt ist. Und es eine Via Stauffacher gibt, was mich sehr freut als langjähriger Einwohner des Stauffacherdorfes Steinen bei Schwyz.

Hier der Take Away der Migros der „de gustibus„ heisst, wäre doch mal ein kreativer Name für die Deutschschweiz. Und an diesem Ort gibt es Kolbenkaffee serviert an der Bar, ich möchte behaupten keine Migros-Kaffeesorte für 2 Franken zwanzig. Da zeigt eine ältere Dame auf ein „anmächeliges“ Gipfeli und fragt was das für welche seien. „Vegane“ antwortet die Verkäuferin. Die Frau schlägt die Hände über dem Kopf zusammen und meint auf italienisch: „Bitte kein Wort über vegan, geben sie mir fünf von diesen da.“ Ich lächle ihr freundlich zu und schlürfe meinen feinen Espresso und beisse genüsslich in ein Schoggigipfeli. Die Dame verabschiedet sich mit einem freundlichen Lächeln von mir. Ein junger Herr schlängelt sich durch die vielen Leute mit einem Shirt , das die Aufschrift ziert „pas normal“.

Ich glaub in dieser Stadt tickt alles etwas anders. Da parken Polizisten ihr Auto in der Fussgängerzone und marschieren mit einer kleinen Carlsberg-Kühltasche zum Rathaus, vermutlich mit dem Mittagessen, das seine Gattin vorbereitet hat.

Wieder Richtung Bahnhof nehme ich die moderne Standseilbahn. Am Ende der kurzen Fahrt, ein zigfaches Schäpern beim automatischen Hochklappen der Sitzgelegenheiten.

Anzeige im Bahnhof von Lugano, 40 Minuten Verspätung für den Zug aus Italien ... doch meiner fährt pünktlich.

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Jeee, und er fährt durch den Basistunnel! Beim Eintauchen in das Jahrtausendbauwerk wird es interessanteweise kühler im Wagen. Nach einiger Zeit huschen Lichter an meinem Fenster vorbei, wie ein Funkenregen, dann wieder Dunkelheit und das monotone Brummen des Berges. Einen Espresso serviert in der Tasse, klein schwarz, gut aber jetzt für 4 Franken sechzig, wir nähern uns der Deutsch-Schweiz. Auf der anderen Seite ist es trüb und regnerisch.

In Luzern endet meine Fahrt, leider auch für alle Reisenden Richtung Basel. Streckenunterbruch bei Sursee, das hiess für die Weiterfahrt nach Basel, Reisen via Zürich und nach Bern via das Emmental und nach Italien waren die Züge auch gestrichen. Wieder ein anstrengender Tag für die SBB.